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Designklassiker

Ich nehme sie wieder auf, die Reihe Mittwochs mit… In unregelmäßigen Abständen werde ich Menschen interviewen, die ich spannend finde, die etwas zu erzählen haben. Vorzugsweise über den Bereich Design, Wohnen, Möbel – aber einfach auch anderen Themen, die mich interessieren. Seid gespannt!

Im letzten Winter geschah es: Ich bin reingestolpert ins kom5inat – Lena Golds neuen Concept Store für Vintage-Möbel und -Kleidung in Paderborn. Und war von Anfang an begeistert. Natürlich auch vom Laden mit all seinen wunderbaren, immer wechselnden Kuriositäten, aber auch von Lena selbst. Es ist immer wieder faszinierend, jemanden zu finden, der seinem Herzen folgt und etwas ganz Besonderes erschafft. Das hat Lena mit dem kom5inat getan. Heute hat sie mir einige Fragen beantwortet, die mir auf der Zunge brannten.

kom5inat Januar
Foto: kom5inat

Seit wann gibt es das kom5inat in Paderborn? Und wie ist es dazu gekommen, dass Du es eröffnet hast?

das kom5inat gibt es seit januar letzten jahres. im august 2014 bin ich aus berlin zurück nach paderborn gekommen und hatte ehrlich gesagt wenig perspektive, hier einen job im bereich modedesign – was ich studiert habe – zu finden. seit ich denken kann bin ich ein sucher und sammler – schatzgräber. es gibt wohl kaum einen flohmarkt, auf dem ich noch nicht war. sicherlich hat das auch was mit meiner familie zu tun. meine mutter ist restauratorin und tischlerin und mein vater betreibt ein unternehmen für haushaltsauflösungen, beide wirkliche „macher“. irgendwie wurde ich da quasi reingeboren.
mode- aber auch möbeldesign faszinieren mich. die abneigung gegenüber massenproduktion und konsumgesellschaft spürte ich relativ früh. ich konsumiere gern, das möchte ich nicht bestreiten, aber es gibt so viele schöne dinge die einfach schon da sind.
schon während meines studiums hatte ich den wunsch, mich mit dem was mir liegt und in dem ich aufgehe selbstständig zu machen und meinen plan zu verwirklichen. der zeitpunkt war also perfekt – „wenn nicht jetzt, wann dann?“. ich hatte ja nichts zu verlieren, also startete ich das projekt kom5inat.

Schriftzug kom5inat
Vorbereitungen. Foto: kom5inat

Wie fühlt es sich an, nach einer längeren Zeit in Berlin wieder nach Paderborn zurückzukommen? Gerade in Bezug auf Subkulturelles?

am anfang war es wirklich hart. ich kann mich an eine situation erinnern, die ich wohl nie vergessen werde. ich war im supermarkt einkaufen und schob – wie aus Berlin gewohnt – mit dem einkaufswagen nach hause, ohne mir darüber gedanken zu machen. als ich merkte, dass mich die leute seltsam anschauen, wurde mir klar, dass das hier nicht so einfach geht. ich fühlte mich sehr unwohl, später habe ich darüber gelacht. das wird mir wohl nicht mehr passieren.
auf der einen seite vermisse ich die toleranz und leichtigkeit, die die großstadt einem gibt. das gefühl, in der masse zu schwimmen – was ich immer als sehr positiv empfunden habe. es gibt so viel zu entdecken und unglaublich viele interessante menschen, die ihre eigenen projekte auf den weg bringen. musiker, schauspieler, lebenskünstler… auf der anderen seite ist es kaum möglich zur ruhe zu kommen, weil es einfach ein absolutes überangebot an kulturellem gibt. das kann zeitweise auch sehr anstrengend sein.
paderborn hat etwas von einer „verschaufpause“, irgendwie bodenständig. komischerweise ist das auch mal schön!

Was bietest Du im kom5inat an und wie suchst Du die Stücke aus?

im kom5inat konzentriere ich mich auf die wirklich schönen dinge – das umfasst mode und kleinmöbel. es gibt besondere mode, darunter auch viele vintage- und designerteile, also teile, die mich beeindrucken, entweder, weil sie toll verarbeitet sind, weil sie gut designed sind oder einfach interessant wirken. ähnlich verhält es sich bei möbeln, nur dass die mode ab und zu noch lauter und schriller sein darf. ich seh ein teil, das mich fasziniert und weiss sofort: das ist was fürs kom5inat. oft ist es auch einfach das bauchgefühl, dass mich leitet. ein toller job!!!
natürlich habe ich durch mein studium und die erfahrung mittlerweile ein gutes gespür für besonderheiten in der verarbeitung, im schnitt oder auch für labels entwickelt, die ich als interessant und zeitlos empfinde.
zeitlos! es gibt mode, die zeitlos ist. das hat meistens nichts mit saisonware zu tun, die preisagressiv ist und schnell verkauft werden soll. ich glaube stil ist zeitlos!!!

Wie sieht Dein Alltag als alleinerziehende Mama, Boutique-Besitzerin und Selbständige aus?

anstrengend!!! es ist schwierig, alles unter einen hut zu bekommen. manchmal habe ich das gefühl, dass der tag kein ende hat und der alltag mich auffrisst. natürlich hat mein sohn linus oberste priorität und eine gute organisation ist gold wert. das gelingt vor allem durch die unterstützung meiner mutter. dennoch wünsche ich mir oft ich hätte mehr zeit für ihn. als alleinerziehende mutter, meiner freiberuflichkeit als designerin und dem kom5inat bleibt kaum zeit. ohne meine familie und freunde würde ich das sicherlich nicht schaffen. aber ich merke auch, dass ich die herausforderung brauche und den drang habe, etwas mit dem zu erreichen, was mir spass macht und worin ich gut bin. meine liebsten menschen und hin und wieder ein freier tag geben mir kraft und machen mir mut, weiter zu machen.

Beschreib uns doch mal Deinen persönlichen Kleidungs- und Einrichtungsstil! Wie kleidest Du Dich, worauf achtest Du? Wie sieht es in Deiner Wohnung aus?

ich kleide mich so wie ich mich fühle, das kann manchmal etwas lässiger sein, gerne aber auch puristisch und schick. immer aber jeans. ich bin absolut kein kleidertyp – das steht mir einfach nicht. wichtig ist, dass ich enge hosen mit oversized blazern oder jacken kombiniere. außerdem machen accessoires unglaublich viel aus. tausche ich schuhe, tasche oder brille, entsteht gleich ein ganz anderer look. das spiel mit der mode macht mir spass, denn so kann ich mich jeden tag von der seite zeigen, von der ich gesehen werden möchte.

kom5inat oversized blazer
Oversized Blazer plus Jeans. Foto: kom5inat

Hast Du – einerseits in Bezug auf Kleidung, andererseits in Bezug auf Einrichtungsgegenstände – ein Lieblingsjahrzehnt?

wenn es um kleidung geht bevorzuge ich klar die 80er. ich mag den mix aus sportlichkeit, betonten schultern und high-waisted jeans. ein bisschen androgyn darf es gerne sein, ohne dabei die weiblichkeit zu vernachlässigen. das macht doch jedes outfit erst so richtig spannend.
bei möbeln fasziniert mich vorallem das prinzip form follows function, denn oftmals entstehen dadurch automatisch die tollsten proportionen und ein minimalismus, der in der notwendigkeit liegt. das bauhaus und auch skandinavisches design sind daher meine favouriten.

In welcher Wohngegend in Paderborn wohnst Du – und was gefällt Dir daran?

ich lebe im riemekeviertel. mir war klar, dass ich nur hier wohnen möchte und liebe es. es vermittelt einen hauch großstadtgefühl. die enge der häuser, die architektur, die kneipen und die vielfalt der menschen prägen das viertel. ich kann im kayamarkt meine einkäufe erledigen, habe die stadt direkt vor der tür, kann bei gutem wetter im riemekepark ein buch lesen und mich abends mit freunden im alles ist gut um die ecke zum kneipenquiz treffen. was braucht man mehr? 😉

Visitenkarte kom5inat
Foto: kom5inat

Das kom5inat findet Ihr hier:

kom5inat

www.kom5inat.de
ballhornstr. 16
33102 paderborn

Öffnungszeiten:

Dienstag – Freitag 10-18 Uhr
Samstag 10-14 Uhr

kom5inat

… denn ich bin inzwischen stolze Besitzerin einer ziemlich anständigen Sammlung von Kerzenhaltern von Nagler! Schaut selbst! Inspiriert von Merles tollem Fund habe ich diesen Flohmarktsommer die Augen offen gehalten. Nachdem ich vor einiger Zeit schon zwei Nagler-Kerzenhalter gefunden hatte (2€) sowie zwei, die leider nicht dazu passten (3€), habe ich heute 11 Nagler-Kerzenhalter für sage und schreibe 3 € zusammen gekauft. Und das ist das Ergebnis, ich freu mich!

Und was da als Unterlage dient – dazu in den nächsten Tagen mehr!

Ansonsten möchte ich auch ein kleines Glückspaket zum Wochenende schnüren, à la Steffi und Okka, die letztes Wochenende mit dieser wundertollen Idee rausrückten. Auch wenn heute schon Samstag ist…

1. Glücklich gemacht hat mich dieses Wochenende schon der Flohmarktbesuch. Außer tollen Funden gibt es einen neuen Stand, die unglaublich leckere Chebureki verkaufen! Mit den leckersten Füllungen: Kartoffel-Käse, Champignon-Käse, Hackfleisch, Salami-Käse… Ich bin begeistert! Ab sofort gehört das Chebureki-Essen zum samstäglichen Flohmarktritual.

2. Ich habe ein neues Buch entdeckt: Das Buch der Rose von Petra van Cronenburg. Also neu ist es nicht, es kam schon 2008 auf den Markt. Ich habe schon angefangen zu lesen – und kann nicht mehr aufhören. Eine Kulturgeschichte der  Rose, die alle begeistern wird, die etwas für diese Blume übrig haben. Damit setz ich mich gleich in den Garten, so lange die Sonne noch scheint. Außerdem bin ich ganzganz stark versucht, mir den Geschmacksthesaurus zu kaufen, den Julie empfiehlt. Hach klingt das verheißungsvoll…

3. Heute möchte ich Seife kochen. Nachdem ich in den hiesigen Apotheken wie eine potenzielle Bombenbastlerin angeschaut wurde, als ich Natriumhydrxid kaufen wollte, habe ich es im Internet bestellt und heute bei der Post abgeholt. Ich bin extrem gespannt, wie das wohl werden wird.

Hach, schön wirds werden! Ich wünsche Euch allen ein wunderbares Wochenende mit Eurem ganz persönlichen Glückspaket.

Ich bin wieder fündig geworden. Und so gut dabei weg gekommen.

Die beiden Kerzenständer für jeweils 1 Euro, den Bilderrahmen (samt Geburtstagsgruß auf Schwedisch aus den 50ern) für 50 cent, die tolle Tischdecke für 3 Euro. Ich *liebe* solche Tischdecken, besonders mit Mustern aus den 50ern. Da hab ich schon eine kleine Sammlung, und eine große Leidenschaft für…

Von den tollen Kerzenständern gabs leider nur diese zwei. Ich wünsche mir sehnlichst eine so schöne Zusammenstellung wie bei Merle, das sieht so wunderschön aus! Also, falls jemand seine loswerden möchte oder irgendwo welche günstig sieht… Immer her damit.