Unterwegs sein.

Oktober 26th, 2011 § 1 comment

Unterwegs sein. Sich bewegen, in Bewegung bleiben. Einen Schritt nach dem anderen. Wohin führt der Weg? Was sehe ich flotten Schritts oder langsam flanierend am Wegesrand? Was rieche, schmecke, höre ich? Wer begegnet mir? Wer begeistert mich, wer erschreckt mich, wer ist mir egal? Wie beeinflusst mich das? Und warum ist das so?

Fragen, die mich bewegen, die mich unterwegs sein lassen in meinem Leben. Ich habe das Glück, umgeben zu sein von Personen, die solche Fragen auch fesseln. Immer spannend ist es für mich, von fremden Personen zu hören, die ähnliche Fragen bewegt. Darum, glaube ich, begeistert mich Wend Kässens Buch Das Große geschieht so schlicht. Unterwegs im Leben und Schreiben so sehr.

Wend Kässens, unterwegs in der deutschen Literaturszene seit langer Zeit, hat für dieses Buch deutschsprachige Schriftsteller zum Thema unterwegs sein interviewt. Keine Interviews mit  Fremden meint man zu lesen, sondern Gespräche mit einem Vertrauten – der auch dort nachbohrt, wo es nicht immer angenehm ist. Clemens Meyer, Ingo Schulze, Juli Zeh und andere mehr lassen in diesen Gesprächen Einblicke zu, die man so nicht erwartet. Wer inspiriert mich, fragen sie sich im Gespräch, woher nehme ich meine Kraft? Welche Künste inspirieren mich, und warum? Wie stehe ich zur Stadt, zur Natur? Zu Klischees wie der Naturschönheit? Was bedeutet die politische Bewegung, das politische unterwegs sein, die Literatur für mich? Und wo sehe ich mich da?

Dieses Buch trifft zwei verschiedene Interessen und bringt sie zusammen: Wer sich für die Fragen des Lebens interessiert, wird spannende, unerwartete Antworten finden. Und – ganz nebenbei – viele Anregungen finden, was er denn in der deutschsprachigen Literatur dazu lesen könnte. Meine Leseliste jedenfalls ist sehr lang geworden, nachdem ich diese Interviews las. Wer sich für die deutschsprachige Literatur interessiert, wird Hintergründe und Einblicke bekommen, die nur jemand wie Wend Kässens erfragen kann: Jemand, der ernsthaft fragt und ernsthaft interessiert ist – und von dem die Interviewten wissen, dass er sorgsam mit ihren Worten umgehen wird.

Ein Buch, das einen inspiriert, erfrischt und auch nachdenklich zurück lässt. Man beginnt, sich Fragen über das eigene Leben zu stellen: Über Trippelschritte, Umwege, Auf-der-Stelle-Treten, Kurven. Die Bücher sind für mich die gelungensten, die einen nicht mit einem Ausrufezeichen von der letzten Seite entlassen, sondern mit diesem Fragezeichen, das von den letzten Seiten entkommt und einem in das eigene Leben hinein folgt. Dieses Buch ist eines davon.

{Bild: Corso Verlag}

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§ One Response to Unterwegs sein.

  • Ellen sagt:

    Ja, die großen Fragen, die fesseln mich auch. Mit 18 dachte ich sogar, ich könne nicht leben, solange ich den Sinn des Lebens nicht herausgefunden habe. Den suche ich mir mittlerweile regelmäßig selbst. Aber die restlichen großen Fragen zu Leben, Liebe, Sinn und so vielem anderem – die bleiben.

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